Achim Achilles beschrieb es in seiner Kolumne
http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,804570,00.html als einen “Ausflug in den Pumakäfig” und auch AP Sportskamerad Holger hat bei Wettkämpfen ähnliche Erfahrungen in den Umkleidekabinen bei Volksläufen gemacht.
Da eine Laufveranstaltung auch immer ein Rennen auf Zeit ist, ein blanker, eiskalter Egotrip hin zu einer neuen Bestzeit und einem Sieg über die anderen Agegrouper, wird sich bereits in der Umkleidekabine vor dem Wettkampf verhalten wie im Circus Maximus. Hier ist sich jeder der Nächste. Der Wegfall jeden Anstands und sozialen Verhaltenskodex manifestiert sich durch ein mehrstimmiges Furzkonzert, untermalt mit feinstimmige Bassrülpser aus mehreren Ecken. Wenn es möglich wäre, auch aus dem Bauchnabel Luft fahren zu lassen, es wäre ein gut vernehmbares Pfeifen zu hören.
Aus der Umkleidekabine raus stehen dann sogleich hauptsächlich männliche Mitstreiter an jedem verfügbar stehendem Busch und Baum und machen auf Männeken Piss. Und auch beim Warmlaufen geht die orchestrierte Flatulenz weiter und wird nur noch übertönt von „Dem Stöhner“.
Der Stöhner ist im Regelfall ein plus 50ziger, der seine besten Laufzeiten weit hinter sich gelassen hat, trotzdem unter Aufbringung ungeheurer Kraftanstrengung die Bestzeit von seiner letzten Ehrenurkunde rauszuholen versucht. Jeder Laufschritt und jedes Ausatmen wird mit einem gut vernehmbaren Stöhnen begleitet, regelmäßig, 21 oder wahlweise auch 42 Kilometer lang. Die Pulsuhr schlägt schon seit längerem Alarm, begann direkt nach dem Start mit einem saghaften Piepen bei Puls 180 und wechselt dann rasch in ein dauerflatlinehaftes Fiepen und deutet auf eine Kernschmelze im Chip hin. Das interessiert den Stöhner aber nicht, ist er schon in einen trancehaften Laufmodus gefallen.
Wohl interessieren tut dies aber den plus 40jährigen, der direkt vor dem Stöhner läuft und es einfach nicht schafft wegzukommen. Bundesjugendspiele gab es damals schon nicht mehr, warum also der ganze Ehrgeiz? Einen Reinhauen darf man ja nun auch keinem Mitläufer, vielleicht helfen Blähungen?
Es stellt sich nun dem interessierten Laufteilnehmer die Frage, warum dies nur bei Männern so ist. Frauen scheinen hier ein besseres Gefühl für Anstand und Rücksicht zu besitzen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass eine herumstöhnende Läuferin in diesem Fall eine Horde plus 35jähriger hinter sich her ziehen würde, die partout nicht überholen wollen. Und wer hat das schon gerne in einem Wettkampf?
